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Zum Referenzgebiet und dem "Infrastrukturverständnis" beim Lagezuschlag

Aktuellste LeitsätzeJudikaturChristian Praderimmolex-LS 2021/79immolex-LS 2021, 404 Heft 12 v. 7.12.2021

Die durchschnittliche Lage ist nach der allgemeinen Verkehrsauffassung und der Erfahrung des täglichen Lebens zu beurteilen. Zur Beurteilung, ob eine konkrete Lage (Wohnumgebung) aufgrund ihrer Eigenschaften als "besser als durchschnittlich" zu qualifizieren ist, bedarf es des wertenden Vergleichs mit anderen Lagen (Wohnumgebungen). In Wien ist als Referenzgebiet für die Beurteilung der Durchschnittlichkeit der Lage eines Hauses nicht regelhaft maximal der jeweilige Gemeindebezirk heranzuziehen, sondern es ist auf jene Teile des Wiener Stadtgebiets abzustellen, die einander nach der Verkehrsauffassung in ihren Bebauungsmerkmalen gleichen und (daher) ein einigermaßen einheitliches Wohngebiet bilden. Losgelöst von der Frage, ob dabei nur auf die schriftlich bekanntgegebenen Kriterien abzustellen ist, bedarf dabei keiner näheren Erörterung, weil selbst dann, wenn man Umstände wie die ebenfalls fußläufig erreichbaren Grünflächen - bei engem Verständnis - nicht mehr unter den Begriff "Infrastruktur" subsumieren und daher nicht berücksichtigen wollte, von einer überdurchschnittlichen Lage (hier 8. Bezirk) gegenüber dem sonstigen, dicht verbauten innerstädtischen Gebiet auszugehen ist, wenn die Entfernung zur U-Bahnstation Josefstädterstraße von 500 Meter gerade noch "fußläufig" ist und den Vorteil hat, dass die Wohnung ausreichend weit vom Gürtel entfernt ist, dafür aber die Straßenbahnstationen auf der Josefstädterstraße in unmittelbarer Nähe (ohne dass die Schienen direkt am Haus vorbeilaufen würden) gelegen sind, Schul- und Betreuungsangebot, medizinische Versorgung und Gastronomie reichhaltig und überdurchschnittlich sind (all das ist jedenfalls Infrastruktur) und das Nahversorgungsangebot umfassend ist. Selbst wenn man eine gewisse Lärmbelastung der Wohnumgebung, die angespannte Individualverkehrslage und das im unmittelbaren Umfeld nur durchschnittliche kulturelle Angebot betrachtet, sind die Lage im Zentrum der begehrten Josefstadt und nahe zum ersten Bezirk lagezuschlagsrelevant.

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