Die gewerbliche Kreditvergabe war lange Zeit typischerweise ein Metier der Banken, demgemäß gehört das Kreditgeschäft zum klassischen Portfolio der Bankgeschäfte (§ 1 Abs 1 Z 3 BWG). In den letzten Jahren hört man am Finanzmarkt jedoch immer mehr von "Private Credit" (oder synonym "Private Debt"). Im Spektrum der Fremdfinanzierung ergänzt Private Credit die Kreditaufnahme bei Banken und die Anleihefinanzierung über den Kapitalmarkt. Das Phänomen bezeichnet, stark vereinfacht, eine Kreditvergabe an Unternehmen außerhalb des klassischen Bankensystems, bei der es somit auch keine Intermediation über ein Kreditinstitut gibt. Die Kreditvergabe ist über spezielle Fonds strukturiert, die ihre Kapitalausstattung von institutionellen Investoren (Pensionsfonds, Versicherungen, Family-Offices) beziehen und Kredite direkt an Unternehmen vergeben, hinter denen dann auch oft Private-Equity-Fonds stehen. Der Zinssatz ist meist variabel gestaltet, und zwar geknüpft an einen Interbanken-Zinssatz. In Hochzinsphasen können Investoren daher eine schöne Rendite erwarten, tragen umgekehrt aber ein höheres Ausfallsrisiko, weil durch die höhere Zinsbelastung die Insolvenzwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers steigt.

