Das Unbekannte, Unerwartete und Unerklärliche beschäftigt die Menschheit schon seit ihren Anfängen. In der Antike und im Mittelalter tummelten sich auf den Weltkarten in den als unerforscht geltenden Gebieten fantastische Fabelwesen und vielgestaltige Seeungeheuer. Ein berühmtes Beispiel dafür ist der Hunt-Lenox-Globus, auf dem sich die Inschrift „HIC SVNT DRACONES“ findet (hier sind Drachen), um ein noch unbekanntes Gebiet südlich des Äquators zu bezeichnen. Dem Unbekannten wurden dabei zumeist negative Eigenschaften zugeschrieben, bei der Erforschung der Terra Incognita war größte Vorsicht geboten. Unbekanntes, Unerwartetes und Unerklärliches betrifft aber auch – und dies in zunehmenden Maße – Unternehmen im 21. Jahrhundert. Die stetig steigende Komplexität und Volatilität des Unternehmensumfelds birgt neben den bekannten Risiken (knowns) zunehmend auch unbekannte (unknowns), die das Unternehmen aber umso heftiger treffen können. Die Identifikation und der Umgang mit plötzlich auftretenden und disruptiven Ereignissen gestalten sich dabei schwierig. Der Einsatz von Instrumenten der strategischen Frühaufklärung kann einen Beitrag zur konstruktiven Antizipation solcher Strukturbrüche, seien es Chancen oder Risiken, leisten. Obwohl schon seit den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts bekannt und seitdem stetig zu „strategic foresight“ weiterentwickelt, sind diese in vielen Unternehmen noch weitgehend unbekannt. Um zu untersuchen, wie dies in Industrieunternehmen in Österreich aussieht, wurde eine empirische Studie durchgeführt. Nachfolgend werden ausgewählte Ergebnisse und die wesentlichen Erkenntnisse der Studie dargestellt.

