Die DLT kann man sich als dezentral gespeichertes Kassenbuch, aus dem englischen Begriff „ledger“ abgeleitet und übersetzt, vorstellen. Die Blockchain-Technologie selbst stellt aneinandergereihte Seiten dieses Kassenbuchs dar, die durch die Betreiber des Netzwerks bzw. die Netzwerkteilnehmenden fortgeschrieben werden. Die Netzwerkteilnehmenden betreiben dabei die IT-Infrastruktur und erhalten für diese Tätigkeit eine Entlohnung (sog. Rewards). Diese Rewards können unterschiedlich hoch ausfallen, in Abhängigkeit zur zugrunde liegenden Technologie bzw. Kryptowährung. Am Beispiel des Bitcoins (BTC) findet regelmäßig, ungefähr alle vier Jahre, eine Reduzierung dieser Rewards statt, um eine Innovationsbereitschaft und weitere Motivation der Netzwerkteilnehmenden aufrecht zu erhalten, damit diese sich weiter aktiv an der Fortschreibung des Ledgers beteiligen (sog. Halfing). Typische Charakteristika von DLT-Strukturen sind dabei Fälschungssicherheit, Dezentralität und Betriebsstabilität, aufgrund der verteilten Informationen im Ledger. Die Ausprägung weiterer Merkmale, Vor- und Nachteile ist unterschiedlich und in Abhängigkeit von der jeweiligen Kryptowährung und dem technologischen Ansatz zu sehen. Die Dezentralität und Betriebsstabilität ist dabei geprägt durch den Ausschluss der Gefahr, dass ein einzelner Netzwerkteilnehmender bzw. dessen IT-Infrastruktur ausfällt und so Informationen verloren gehen. Damit wird ein sog. Single-Point-of-Failure ausgeschlossen und die Daten bzw. Informationen, die in der Blockchain bei den anderen Netzwerkteilnehmenden verteilt liegen, können jederzeit weiter genutzt werden. Gleichzeitig gewährleistet die DLT eine größtmögliche Transparenz auf Ebene der einzelnen Transaktionen in der Blockchain. Diese sind öffentlich einsehbar und können bis weit in einzelne Blöcke der Blockchain nachvollzogen werden. Zur sprachlichen und technologischen Differenzierung muss nachfolgend zwischen Kryptowährungen und Token unterschieden werden. Kryptoassets sind der Überbegriff für digital abgebildete Werte, wohingegen Token ein technologisches Vehikel auf Kodierungsebene darstellen, die den Wert einer Sache elektronisch repräsentieren und deren digitale Übertragbarkeit grundsätzlich überhaupt erst ermöglichen. Wenn im Kontext der DLT daher von Kryptowährungen gesprochen wird, handelt es sich überwiegend um Token, die zur Bezahlung und zum Handel geeignet sind. Die nachfolgenden Ausführungen differenzieren die Kategorien und Beispiele weiter aus. Finanzprodukte lassen sich allgemein als Investment Token zusammenfassen: Diese Art der Token bildet Finanzprodukte elektronisch ab. Als Beispiel können hier Derivative Token, Fund Token, Debt Token oder Asset Backed Token genannt werden. Wohingegen bei Kryptowährungen sich eine Unterscheidung nach Payment Token vornehmen lässt. Hiernach sind Pegged Payment Token (z. B. Stable Coins) oder Unpegged Payment Token differenzierbar. Payment Token ganz allgemein umfassen Token, welche die drei klassischen Funktionen einer Währung erfüllen: Tauschmittel, Wertmesser und Wertspeicherung. Bei den sog. Stable Coins handelt es sich um Token, deren Wert eindeutig an eine hinterlegte Währung (z. B. USD) oder einen Korb von Währungen gekoppelt ist. Wird ein Stable Coin von einer Zentralbank ausgegeben, handelt es sich um eine Central Bank Digital Currency (CBDC). Die Unpegged Payment Token sind Token, deren Wert sich vollständig frei, d. h. nicht gekoppelt an bestehende Währungen oder sonstige Produkte, nach Angebot und Nachfrage des jeweiligen Marktes bemessen lässt. Hierzu zählt u. a. BTC.
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