Die Planung der Interventionen, die eine derart sensible Zielsetzung wie Vermeidung von Rückfällen verfolgen, sollte die Behandlungsformen und -ansätze umfassen, deren Effektivität empirisch nachgewiesen ist. Die Beantwortung der Frage, welche Behandlungsformen tatsächlich rückfallpräventiv wirken, ist allerdings für die forensisch-psychologische Forschung kein einfaches Unterfangen. Dies ergibt sich daraus, dass experimentell qualitative Designs zur Überprüfung der Wirksamkeit in diesem Bereich nur schwer oder kaum umsetzbar bzw ethisch vertretbar sind, etwa die Bildung von unbehandelten Kontrollgruppen aus gefährlichen Tätern, wenn man als Resultat tatsächlich einen Rückfall in Kauf nehmen müsste.39 Auch sind die Tätergruppen sowohl in Bezug auf die Delikte als auch die ihnen zugrundeliegende Problematik äußerst verschieden und die Basisrückfallraten für schwere Delikte generell gering (1–5 %), weshalb – unabhängig von Interventionen – selbst schwerwiegende Störungen wie Pädophilie nicht zwangsläufig eine erneute Tatbegehung zur Folge haben.40 Daher sind evidenzbasierte Ergebnisse, die die Effektivität der Behandlung belegen würden, nicht im befriedigenden Ausmaß vorhanden. Publiziert wurden vor allem Metaanalysen, die viele unterschiedliche Behandlungsprogramme und deren Auswirkungen auf die Rückfälligkeit untersuchten.
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