Nicht bloß die politische, auch die wissenschaftliche Diskussion wird seit Längerem von der Problematik der Verschuldung bzw. Überschuldung geprägt. In Europa geht es dabei primär um die Verschuldung der öffentlichen Hand, vielfach auch um die Verschuldung der privaten Haushalte, gelegentlich sogar der Unternehmen. Angstvoll wird die Frage nach der "Schuldentragfähigkeit" gestellt. In den USA hingegen geht die Diskussion weniger um die dort keineswegs geringere öffentliche Verschuldung als um die volkswirtschaftliche (Gesamt-)Verschuldung. Das Leistungsbilanzdefizit wird dort zumeist nicht auf den eigenen Ausgabenüberschuss (= Importüberschuss) zurückgeführt, sondern auf den Sparüberschuss ("savings glut") der anderen, vor allem Chinas, zu einem geringeren Teil auch des sonstigen Südostasiens und Europas. Entsprechend unterschiedliche Konsequenzen werden auf den beiden Seiten des Atlantik gezogen: In Europa wird ein rascher Abbau vor allem der öffentlichen Schulden gefordert, in den USA hingegen eine Beseitigung der "weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte", sprich: nicht des eigenen Ausgabenüberschusses (Leistungsbilanzdefizit) sondern der Einnahmen-(= Leistungsbilanz-) Überschüsse der anderen (China, Japan, Europa).

