Die gesellschaftsrechtlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen im Gefolge der COVID-19-Pandemie sind – zumindest in Friedenszeiten – beispiellos. Derartige Änderungen der wirtschaftlichen Realität stellen naturgemäß auch die Verrechnungspreissysteme multinationaler Konzerne auf den Prüfstand. Da viele multinationale Konzerne im Wirtschaftsjahr 2020 COVID-19-bedingt mit erheblichen Gewinnminderungen oder gar Verlusten konfrontiert sein werden, stellt sich die Frage, wie diese krisenbedingten Ergebniseinbußen aus Fremdvergleichsgesichtspunkten zwischen den einzelnen Konzernunternehmen zu verteilen sind. Nach Auffassung der Autoren kann es dabei erforderlich sein, dass auch mittels TNMM ausgesteuerte und somit vertraglich risikofrei gestellte Routineunternehmen einen entsprechenden „Krisenbeitrag“ leisten und demzufolge temporär ganz oder teilweise auf ihre Routinegewinne verzichten. Vielfach wird dabei eine bloße Korrektur der Routinemargen an das untere Ende der Interquartilsbandbreite bestehender Benchmark-Studien zu kurz greifen, um das volle Ausmaß der aktuellen COVID-19-Krise auch auf Ebene dieser Routineunternehmen fremdvergleichskonform abzubilden. Wie weit ein darüber hinausgehender Gewinnverzicht von Routineunternehmen „at arm’s length“ gehen kann, wird von den konkreten Umständen des Einzelfalls abhängen und soll nachfolgend mittels statistischer Abweichungs- und Regressionsanalysen anhand eines konkreten Fallbeispiels für eine im Subsegment des Automotivesektors tätige IC-Routinevertriebsgesellschaft (limited risk distributor; LRD) untersucht werden.

