vorheriges Dokument
nächstes Dokument

The Development of European Competition Policy: Social Democracy and Regulation

BuchbesprechungenJacob KornbeckÖZK 2025, 159 Heft 4 v. 12.11.2025

Die EU genießt den Ruf, eine neoliberale Politik zu führen, deren Ursprünge nach landläufiger Meinung amerikanisch, deutsch und ordoliberal sein sollen, doch sind diese weit verbreiteten Auffassungen auch im Rahmen einer historischen Untersuchung belastbar? In ihrer Einleitung (Kapitel 1) gehen die beiden Herausgeber auf die Forschungsliteratur, auf die kartellpolitischen Debatten der Zwischenkriegsjahre sowie beispielhaft auf die Rolle der britischen Labour-Partei in der Nachkriegszeit ein. Thematisiert wird eine Spannung zwischen dem Primat einer aktivistischen sozialdemokratischen Wirtschafts- und Sozialpolitik einerseits, der tatsächlichen Unterstützung einer offenen Marktwirtschaft andererseits sowie in vielen Fällen schließlich – wie bei der SPD während ihrer Zeit in der Opposition in der Ära Adenauer – ein Engagement für niedrigere Konsumpreise. Als Ausgangsthese wird betont, dass die weitverbreitete Vorstellung einer nur vom Ordoliberalismus geprägten Wettbewerbspolitik nicht mehr tragfähig (no longer tenable) sei (S 3). Was Gerber (Constitutionalizing the Economy. American Journal of Comparative Law 1994, 25–84) postuliert habe, gelte es, mit Methoden der historischen Quellenkritik kritisch zu überprüfen. Insbesondere die Dissertation von Küsters (The Making and Unmaking of Ordoliberal Language, Frankfurt 2023, Klostermann) (Rezension Kornbeck, ÖZK 2025, 29–31) wird von den Herausgebern lobend erwähnt, indem zahlreiche weitere Forschungsarbeiten aus der jüngsten Zeit herangezogen werden, welche dazu geeignet sind, nicht nur die ordoliberalen, sondern auch die amerikanischen und deutschen Wurzeln der aktuellen europäischen Politik zu relativieren.

Sie möchten den gesamten Inhalt lesen?

Melden Sie sich bei Lexis 360® an.
Anmelden

Sie haben noch keinen Zugang?
Testen Sie Lexis 360® zwei Wochen kostenlos!
Jetzt testen!