Der Beitrag untersucht den Einsatz autonomer Waffensysteme im Kontext gegenwärtiger Kriegsszenarien und analysiert die daraus resultierenden völkerrechtlichen und ethischen Implikationen. Ausgangspunkt ist die zunehmende Integration KI-gestützter Entscheidungs- und Zielerkennungssysteme in bewaffnete Konflikte. Dabei wird aufgezeigt, dass die Delegation von Entscheidungsprozessen über den Einsatz letaler Gewalt an algorithmische Systeme zu einer fundamentalen Verschiebung klassischer Verantwortungs- und Kontrollstrukturen führt. Im Mittelpunkt der Analyse steht die Frage, inwieweit das humanitäre Völkerrecht mit seinen zentralen Prinzipien der Unterscheidung, Verhältnismäßigkeit und Vorsorge auf autonome Waffensysteme anwendbar bleibt. Der Beitrag arbeitet drei zentrale „Verantwortungslücken“ heraus – Zurechnungs-, Kontroll- und Erklärungslücken – und skizziert, dass diese die bestehenden völkerrechtlichen Haftungs- und Zurechnungsmodelle erheblich unter Druck setzen. Ergänzend wird die internationale Regulierungslandschaft, sowie der fragmentierte Charakter bestehender Normbildungsprozesse untersucht. Zudem wird die ethische Dimension algorithmischer Kriegsführung analysiert, va die Frage nach der Möglichkeit moralischer Verantwortung ohne Intentionalität und Bewusstsein. Abschließend plädiert der Beitrag für die Stärkung effektiver menschlicher Kontrolle sowie verbindlicher Anforderungen an Transparenz und Erklärbarkeit militärischer KI-Systeme, um die normative Steuerungsfähigkeit des Völkerrechts und die Achtung der menschlichen Würde langfristig zu sichern.

