Alfred J. Noll (1960-2026) war nicht nur Rechtsanwalt, Universitätslehrer, Politiker, Philosoph, Publizist, Schriftsteller und Maler, sondern vor all dem Citoyen, antinomischer Gegensatz zu Untertan und Bourgeois. Als Person des öffentlichen Lebens hat er eine Leuchtspur hinterlassen, geprägt durch wissenschaftliche und politische Publizistik, das Ringen um Aufklärung in bürgerlicher Öffentlichkeit und die Wiedererringung des Gemeinwohls als politischer Maxime. Er folgte darin dem beinahe zeitgleich verstorbenen Jürgen Habermas, der die bürgerliche Öffentlichkeit nicht nur als öffentliche Meinung, sondern als Element demokratischer Repräsentanz verstand. Noll stemmte sich sowohl gegen die Schein-Diskurse einer auf Schaustellerei reduzierten Politik ebenso wie gegen die Schein-Öffentlichkeit massenmedialer Einweg-Kommunikation. Er sprach und handelte in jener bürgerlichen Öffentlichkeit nicht nur als politisches Subjekt, welches die Grund- und Menschenrechte in Anspruch nimmt, verteidigt und entwickelt. Er war als Rechtsanwalt auch Anwalt des Rechts, widergespiegelt in seinen verfassungsrechtlichen Schriften, welche der geordneten, dem Souverän verpflichteten Austragung von Interessenkonflikten das Wort sprachen.

