Warum gelingt es manchen Organisationen, unter hochkomplexen und risikobehafteten Bedingungen zuverlässig zu funktionieren, während bereits kleine Abweichungen andere Organisationen in schwere Krisen führen? Die Forschung zu High Reliability Organizations (HROs) beschäftigt sich genau mit dieser Frage. HROs zeichnen sich nicht dadurch aus, dass keine Fehler auftreten. Vielmehr entwickeln sie organisationale Fähigkeiten, schwache Signale frühzeitig wahrzunehmen, unerwartete Entwicklungen zu beherrschen und Fehler zu begrenzen, bevor daraus schwerwiegende Folgen entstehen. Weick, Sutcliffe und Obstfeld führen diese besondere Zuverlässigkeit auf fünf miteinander verbundene Prinzipien zurück: eine ausgeprägte Aufmerksamkeit für Fehler, die Abneigung gegen vorschnelle Vereinfachungen, Sensibilität für operative Abläufe, das Streben nach Resilienz und den Vorrang von Expertise gegenüber Hierarchie. Der Beitrag zeigt, was diese Prinzipien für Governance und Risikomanagement bedeuten – und wie Organisationen sie nutzen können, um Schritt für Schritt zuverlässiger und resilienter zu werden.

