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Der seelische Umsturz – Sozioökonomische Utopien von Frauen in der österreichischen Rätebewegung

Aus der Geschichte des Arbeitsrechts und des SozialrechtsVeronika HelfertDRdA 2025, 421 Heft 5 v. 15.10.2025

Am Ende des Ersten Weltkriegs regte sich in der Habsburgermonarchie intensiver Protest gegen den Krieg und die anhaltenden Krisen, die er verursacht hatte. Frauen und Männer, die nicht im aktiven Kriegsdienst standen, legten in mehreren großen Streikwellen 1917 und 1918 die Arbeit nieder und protestierten auf den Straßen. In Zuge der Streikbewegungen und nach den beiden Russischen Revolutionen 1917 organisierten sich Arbeiter:innen auch in Österreich als Arbeiterräte. Während aber im ehemaligen Zarenreich die bolschewistische Partei die Macht ergriff, war die Rätebewegung in Österreich bis zu ihrem Ende 1924 pluralistisch geprägt.1)1)Zur Geschichte der Rätebewegung in Österreich siehe: Hautmann, Geschichte der Rätebewegung in Österreich 1918-1924 (1987). Waren die sich auf mehreren Ebenen organisierenden Arbeiterräte (von den Bezirks-, Orts-, Kreisarbeiterräten bis hin zur Reichskonferenz) sozialdemokratisch dominiert, gab es auch andere linke und linksradikale Gruppierungen: die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ), im November 1918 gegründet,2)2)Vgl Geschichte der Kommunistischen Partei Österreichs 1918-1955. Kurzer Abriss. Von einem Autorenkollektiv der Historischen Kommission beim ZK der KPÖ unter Leitung von Friedl Fürnberg (1977); dazu kritisch: Mugrauer, Die Historiographie der KPÖ über ihre eigene Geschichte, in Kuretsidis-Haider/Mugrauer (Hrsg), Geschichtsschreibung als herrschaftskritische Aufgabe. Beiträge zur ArbeiterInnenbewegung, Justizgeschichte und österreichischen Geschichte im 20. Jahrhundert. FS für Hans Hautmann zum 70. Geburtstag (2013) 205-222. die Föderation Revolutionärer Sozialisten – Internationale (F.R.S.I.),3)3)Vgl Haumer, Geschichte der F.R.S.I. Die Föderation Revolutionärer Sozialisten – Internationale und die österreichische Revolution 1918/19 (2018). die Poale Zion4)4)Vgl Memoli, "… unser Los ist mit dem des internationalen Proletariats aufs engste verknüpft!" Die Poale Zion in der österreichischen Rätebewegung, in Leder/Memoli/Pavlic (Hrsg), Die Rätebewegung in Österreich (2018) 145-165. und eine Linksströmung in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), die bald in zwei Gruppen zerfiel: die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft revolutionärer Arbeiterräte (Arbeitsgemeinschaft revolutionärer Sozialdemokraten Österreichs), 1920 aus der SDAP ausgeschlossen, und die Neuen Linken, die in der SDAP verblieben.5)5)Vgl Schmidlechner, Arbeiterbewegung und revolutionäres Potential in Europa am Ende des Ersten Weltkrieges. Die Situation in Österreich, in Konrad/Schmidlechner (Hrsg), Revolutionäres Potential in Europa am Ende des Ersten Weltkrieges. Die Rolle von Strukturen, Konjunkturen und Massenbewegungen (1991) 17-26, 20-25. Das Rätemodell erschien vielen Sozialistinnen als eine Möglichkeit, eine Alternative zum bestehenden Gesellschaftssystem zu entwickeln; wie diese aussehen konnte, war freilich umstritten.6)6)Brigitte Studer hat Ähnliches für die kommunistischen Bewegungen in der Frühphase festgestellt: Studer, The Transnational World of the Cominternians (2015). Die Sozialdemokratin Marianne Pollak beschrieb die Attraktivität des Rätemodells folgendermaßen:

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